Arbeit & Beruf

Und wenn gar nichts mehr geht….

Wer nichts wird, wird Wirt. Diese Phrase steht noch heutzutage in Geltung, wenn man sich im Bereich der Existenzgründung umschaut. Hier hat es nicht nur Wirte, sondern auch Makler, Heilpraktiker, Finanzberater oder Künstleragenten. All diese Berufe haben eines gemeinsam: Sie sind nicht geschützt und erfordern keinen zertifizierten Abschluss. Wer den Eindruck hat, als Arbeitnehmer keinen Fuß mehr in die Tür des Ersten Arbeitsmarktes zu bekommen, opfert sich bereitwillig auf der Schlachtbank der Selbstständigkeit.

Doch jeder der genannten Berufe erfordert Voraussetzungen, die man entweder nicht erlernen kann – da ein gewisses Talent eine Rolle spielt -, oder die sich erst im Laufe einer jahrelangen Berufspraxis erwerben lassen. Wer jedoch von heut auf morgen eine Kneipe eröffnet, muss sich nicht wundern, wenn ihn die Geschäftspraxis überfordert. Ein weiteres Beispiel für Talentfreiheit wäre die Gründung einer Künstleragentur durch Jemanden, der sich durch Kontaktscheue auszeichnet. Des Weiteren ist ein Verständnis für die Abläufe in der Show- und Unterhaltungsbranche von Vorteil. Es gehört daher unabdingbar eine kritische und genaue Selbstanalyse hinzu, um ein Stärken- und Schwächenprofil ergänzend zu einem Überblick der eigenen Interessen und Motivationen zu besitzen. Denn es zeigt sich immer wieder, dass ein Wollen das Können nicht ersetzt: Wer sich für die Fotografie begeistert, muss kein fotografisches Talent haben.

Für alle Berufe jedoch gilt allgemein, dass kaufmännische Grundkenntnisse absolute Pflicht sind. Gerade hieran scheitern viele Selbstständige, die nicht wissen, dass sie die Mehrwertsteuer für den Staat einnehmen und nicht zu ihrem Gewinn rechnen dürfen. Was sich wie ein schlechter Scherz anhört, ist leider deutscher Alltag, denn die Insolvenzen sind oftmals hausgemacht und eigenverschuldet.

Darüber hinaus sollte man sich nicht nur um das Scheffeln von Geld kümmern, sondern vor allem bedenken, dass selbstständige Berufe ein enormes Maß an Verantwortung implizieren. So vermittelt eine Künstleragentur beispielsweise nicht nur Künstler, sondern auch Emotionen, Erinnerungen sowie Begeisterung und Enttäuschung. Eine Künstleragentur hat somit Verantwortung gegenüber den Künstlern und dessen Publikum.

Als Fazit lässt sich formulieren, dass ein Jeder sich daher gut überlegen sollte, welchen Weg der Selbstständigkeit er einschlägt und ob ihm dieser steinige Weg überhaupt gefällt. Es gilt die alte Regel: Sich einen guten Ruf aufzubauen dauert Jahre, ihn zu zerstören einen Augenblick.

Werner Bauer
ich-pflege-meinen-garten(at)web(dot)de

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