Daytrading, Intraday- und außerbörslicher Handel
Intraday- und außerbörslicher Handel erfüllen das menschliche Bedürfnis eines praktisch fortwährenden Aktienhandels. Gewiß bietet die zur Jahrtausendwende aufgekommene Möglichkeit des Intradayhandel interessante Chancen, speziell bei spekulativen Papieren, deren Kurs innerhalb eines Tages oft um etliche Prozentpunkte schwanken kann. Klettert die neu erworbene Aktie rasch um mehrere Prozent, mag es reizvoll sein, Gewinne mitzunehmen. Intraday-Handel gehört daher mittlerweile bei zahlreichen Online-Brokern zum Standard, ist aber nur Fortgeschrittenen zu empfehlen.
Das trifft noch umso mehr auf das hoch spekulative Daytrading zu. Sein Schwerpunkt liegt auf der Spekulation mit Terminbörsenprodukten, die schlimmstenfalls nicht nur im Totalverlust enden, sondern auch noch Nachschußpflichten nach sich ziehen können. Daher sollten sich nur äußerst versierte und bestens informierte Anleger mit extrem hoher Risikobereitschaft an Daytrading heranwagen. Neben dem erforderlichen Know-how braucht man auch spezielle Handelssoftware, die die erforderliche Informationen blitzschnell zur Verfügung stellt. Daytradingcenter stellen sie gegen oft saftige Gebühren bereit. Dort haben Trader auch Zugriff auf alle wichtigen Wirtschaftsmedien und eine optimale Verbindung zur Auftragsweiterleitung.
Nur die allerwenigsten Daytrader sind aber dauerhaft erfolgreich. Die meisten erleiden erhebliche Verluste, oft bis zum finanziellen Ruin. Um deutsche Privatinvestoren besser zu schützen, schreibt der Gesetzgeber den Betreibern von Daytradingcentern strenge Aufklärungspflichten vor. Insbesondere muss das Center seine Kunden genau über die Kosten informieren. Oftmals kostet allein der Handelsplatz monatlich schon mehrere hundert Euro.
Wem Daytrading zu heiß ist, es aber reizvoll findet, sich auch außerhalb der regulären Börsenöffnungszeiten mit Wertpapieren zu beschäftigen, dem bietet sich der außerbörsliche Handel über seinen Online-Broker und die mit ihnen kooperierenden Makler an. Wie der Name schon sagt, kann man beim Handel jenseits des Börsenparketts bis spätabends und sogar am Wochenende vorwiegend Aktien, Anleihen und Optionsscheine kaufen und wieder verkaufen.
Die meisten Discountbroker ermöglichen mittlerweile den außerbörslichen Handel. Eine Order funktioniert hierbei so. Der Kunde stellte eine Kursanfrage für ein bestimmtes Papier. Der Handelspartner, auch Marketmaker genannt, macht daraufhin für die verlangte Stückzahl ein Kursangebot. Der Anleger muss die Offerte entweder annehmen oder ablehnen. Für den Kunden bietet dieses Prozedere den Vorteil einer genauen Kalkulationsbasis. Zudem kann er unter Umständen Gebühren sparen. Limitgebühren sind überflüssig. Auch ärgerliche Teilausführungen fallen weg. Zudem verzichten einige Anbieter auf die Maklerprovision.
Ob der Anleger alles in allem aber wirklich günstiger als an der Börse wegkommt ist offen. Häufig nämlich bekommt er die Papiere zu einem schlechteren Kurs. Verkauft der Makler Titel, die er selbst nicht besitzt, steigt sein Risiko, dass er sie später teurer zurückerwerben muss. Sehr riskant ist das bei marktengen Titeln und Geschäften nach Börsenschluss. Mit Hilfe des Spreads (der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs) reicht der Makler sein Risiko an den Kunden weiter.
Aufgrund des Wettbewerbdrucks geben viele Anbieter zwar Garantien, mit denen sie sich verpflichten, dass der Spread einen bestimmten Prozentsatz nicht überschreitet oder keine schlechteren Kurse als im börslichen Handel gestellt werden. Problematisch wird das Ganze aber nach Börsenschluss. Denn dann fehlt die Vergleichsmöglichkeit. Außerdem sollten Anleger bedenken, dass der Handelspartner bei einer konkreten Anfrage erfährt, ob man Papiere kaufen oder verkaufen möchte. Somit kann der Anbieter die Kursspanne so setzen, dass er sein eigenes Risiko minimiert, aber die Spreadgarantie problemlos einhält.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, stets an den liquidesten Börsenplätzen zu handeln. Spätabends und am Wochenende sind die Umsätze meist aber eher gering. Ob der angebotene Kurs im außerbörslichen Handel wirklich ein Schnäppchen darstellt, ist also fraglich. Daher gilt hier umso mehr, eine Order vorweg immer gründlich zu überdenken.
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