Geld & Finanzen

Optionsscheine (Warrants)

Welche Kriterien eignen sich, um die besten Optionsscheine herauszufinden, und wie sollen Anleger die Chancen und Risiken aus dem Warrantkauf kontrollieren? Als Basisinstrument für einen Optionsschein kommen trotz intensiver Analyse nur Werte in Frage, die eine dynamische Bewegung versprechen. Bewegen sich die Titel nicht, verlieren Anleger sukzessive einen Teil der Prämie, nämlich den Zeitwert. Der Optionspreis setzt sich aus einem so genannten inneren Wert und einem Zeitwert zusammen.

Der innere Wert ist zum Beispiel beim Aktiencall als Aktienkurs minus Basis und beim Put als Basis minus Aktienkurs definiert und kann einfach berechnet werden. Der Zeitwert dagegen ist, wie der Name sagt, unter anderem abhängig von der Restlaufzeit. Je länger sie ist, desto höher der Zeitwert. Und umgekehrt: je kürzer die Laufzeit, desto niedriger der Zeitwert. Kurz vor Fälligkeit nimmt der Zeitwertverlust drastisch zu. Um diesen Zeitwertrückgang zu kompensieren, muss sich der Basistitel beim Call kräftig nach oben, beim Put nach unten entwickeln.

Eine andere Möglichkeit, diesem drohenden Verlust entgegenzuwirken, ist ein Anstieg der impliziten Volatilitäten (erwartete Schwankungsbreite). Nimmt sie zu, steigt auch der Zeitwert und damit der Optionspreis. Das Volatilitätsniveau bestimmt aber nicht nur die Höhe des Zeitwertanteils an der Optionsprämie. Mit seiner Hilfe lässt sich auch ein geeigneter Basispreis ermitteln. Bei hohen Optionsvolatilitäten, die zu sinken drohen, empfiehlt sich ein Call mit einer niedrigen oder ein Put mit hoher Basis. Beide Optionen liegen dann „im Geld”. Ist die „Vola” dagegen niedrig, und wird erwartet, dass sie innerhalb des Anlagehorizonts wieder steigt, dann ist ein Call mit einer höheren Basis oder ein Put mit niedriger Basis die beste Wahl. In diesem Fall liegen beide Optionen „aus dem Geld”. Sie gewinnen durch einen Volatilitätsanstieg stärker als Optionen „im Geld”. Dafür verlieren letztere nicht so deutlich beim Rückgang der erwarteten Schwankungsbreite.

Zu einer erfolgreichen Auswahl eines Warrants fehlt noch die Bestimmung der Laufzeit. Sie sollte nicht zu kurz gewählt werden und in etwa doppelt so lang sein wie die Zeit, in der Anleger eine Kursbewegung des Basistitels erwarten. Durch die längere Laufzeit erwirbt der Anleger auch Dispositionsspielraum, falls sich die Kursbewegung nicht wie erwartet einstellt. Zudem ist es nicht ratsam, die Optionsscheine bis zum Laufzeitende zu halten, damit ein überproportionaler Zeitwertverlust gar nicht erst zu Buche schlägt.

Nachdem ein vielversprechender Warrant ausgewählt wurde, ist eine ständige Kontrolle notwendig. Dazu gehört auch die Verlustbegrenzung durch einen Stoppkurs. Dieser sollte in Abhängigkeit der individuellen Risikobereitschaft des Anlegers gewählt werden. Schlägt der Kurs die gewünschte Richtung ein, kann entweder der Stoppkurs nachgezogen oder Gewinne realisiert werden. Für die zweite Möglichkeit spricht ein rasanter Anstieg der Kurse. Denn oft beruhigen sich Volatilitäten und Warrantkurse nach einem Höhenflug sehr schnell.

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