Spekulieren mit Hebelzertifikaten
Turbozertifikate und Knock-out-Warrants werden immer populärer. Über einen geringeren Kapitaleinsatz wird bei diesen Produkten der Hebel definiert. Beim DAX beispielsweise bedeutet eine Basis im Turbo-Bull-Zertifikat von 7.400 Punkten bei einem DAX-Stand von 8.200 Punkten, dass der Anleger nicht die volle Summe von 8.200 bezahlt, aber voll von der DAX-Bewegung partizipiert und dadurch eine hohe Hebelwirkung erreicht. Der Emittent gewährt dem Käufer von Turbozertifikaten damit indirekt einen Wertpapierkredit.
Im Gegensatz zu Futures gibt es bei Wertpapieren wie Zertifikaten (siehe auch: Sparen mit Fonds und Zertifikaten) keine Nachschußpflicht, sollte der Einsatz einmal aufgezehrt sein. Daher sind Turbozertifikate mit einem Knockout oder einem Stop-Loss-Level ausgestattet, um einen Verlust, der größer wird als die ursprünglich bezahlte Prämie, zu verhindern. Die Kraft des Hebels in Turbo-Papieren kann der Anleger durch die Wahl des Basispreises bestimmen. Je näher er am aktuellen Index- oder Aktienkurs liegt und je kürzer die Laufzeit ist, desto höher die Hebelwirkung. Wie bei Warrants können Anleger mit Turbo-Bull oder -Bear-Zertifikaten sowohl auf steigende als auch auf fallende Kursbewegungen setzen.
Steigt der DAX um zehn Prozent, gewinnen Bull-Papiere überproportional. Umgekehrt verlieren die Papiere, wenn der Deutsche Aktienindex um zehn Prozent fällt. Hier ist ein großer Unterschied zum reinen Warrant. Der Hebel beim Turbo-Zertifikat bleibt für den Käufer ab dem Kaufzeitpunkt bis zum Wiederverkauf konstant. Beim Warrant ändert sich diese Größe in einem solchen Fall, weil Parameter wie die Optionsvolatilität den Hebel beeinflussen. Steigt sie, wird der Hebel größer, umgekehrt sinkt er, wenn die Volatilität abnimmt.
Auch die Berechnung der Prämie der Turbozertifikate ist anders als beim Warrant. Bei den Hebelzertifikaten besteht sie aus einem inneren Wert (aktueller Kurs minus Basispreis) und einem Auf- oder Abgeld. Die zuletzt genannten Teile werden durch Finanzierungszinsen und zu erwartenden Dividendenzahlungen bestimmt. Die Berechnung der Auf- oder Abschläge ist relativ einfach. Beim Turbo-Bull-Zertifikat werden die Dividenden von den Zinsen abgezogen und beim Turbo-Bär-Zertifikat werden umgekehrt die Zinsen von den Dividenden subtrahiert. Da der zu zahlende Zinssatz in der Regel größer ist als die Dividendenrendite, entsteht beim Turbo-Bull-Papier ein Aufgeld, beim Turbo-Bär-Papier dagegen ein Abgeld. Zumindest in der Theorie. Leider geben nicht alle Emittenten diesen Teil der Prämie an den Anleger weiter. Das Aufgeld baut sich während der Laufzeit sukzessive ab. Aber im Gegensatz zu Optionsscheinen nimmt das Aufgeld näherungsweise linear ab. Zur Orientierung, wie stark dieser Effekt ist, können Anleger das Aufgeld durch die verbleibende Restlaufzeit teilen.
So transparent die Funktionsweise der Turbozertifikate ist, so unterschiedlich sind aber die Auszahlungsmodalitäten und Knock-out-Eigenschaften bei den verschiedenen Emittenten. Anleger sind daher gut beraten, vor einem Kauf die unterschiedlichsten Konditionen genau miteinander zu vergleichen.
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