Kredite

Risiko: Wertpapierkredit

Viele Anleger versuchen, mittels der Aufnahme eines Wertpapierkredits ihre Depot-Performance zu verbessern. Sie auch? Dann sollten Sie wissen, welche erheblichen Gefahren der Wertpapierkredit mit sich bringt.

In Zeiten (rapide) fallender Aktienkurse kann die “Chance” des Wertpapierkredits sehr schnell in eine Schuldenfalle umschlagen. Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf Ihr eigenes Depot, sondern auch auf den Gesamtmarkt.

Was genau ist ein Wertpapierkredit (auch Effektenkredit, engl. Margin Debt)?

Ein Wertpapierkredit ist ein Bankkredit, der durch Wertpapiere besichert ist. Meistens werden Aktien und Anleihen beliehen, Optionsscheine kommen nicht in Frage.

Die Banken legen für diese Kreditart maximale Kreditsummen (Beleihungsgrenzen) fest. Diese liegen typischerweise bei 50% des Wertpapierdepotvolumens. Je mehr Aktien von Auslandsunternehmen im beliehenen Depot sind, desto niedriger fällt die maximale Kreditsumme aus. Die Zinsen sind meistens niedrig und belaufen sich bei Discountbrokern gegenwärtig auf 5 bis 6 Prozent.

Was macht den Reiz eines Wertpapierkredits aus?

In Zeiten steigender Aktienkurse können Sie als Aktionär mittels eines solchen Kredits und trotz geringer Eigenmittel eine Hebelwirkung bei Ihrer Performance erzielen. Solange die erzielte Aktienrendite über dem zu zahlenden Kreditzins liegt, erweist sich ein Wertpapierkredit de facto als “Gelddruckmaschine”.

Beispiel:

Sie nehmen einen Wertpapierkredit in Höhe von 100.000 EUR und kaufen damit Aktien, die sich innerhalb eines Jahres auf 200.000 EUR verdoppeln. Nun zahlen Sie den Kredit nebst Zinsen nach einem Jahr zurück (100.000 EUR + 6.000 EUR Zinsen). Durch diese Operation erzielen Sie quasi aus dem Nichts ein Zusatzeinkommen in Höhe von 94.000,– EUR (200.000 EUR abzügl. 106.000 EUR).

Aber auch für die Banken ist dieses Geschäft lukrativ. Zum einen gewähren sie einen Kredit und erzielen hieraus Zinseinkommen. Zum anderen erzielen sie höhere Transaktionseinnahmen, wenn mit dem gewährten Kredit Aktienkäufe und -verkäufe getätigt werden. Es verwundert deshalb nicht, dass insbesondere Discount-Broker sehr großzügig bei der Gewährung von Wertpapierkrediten sind.

Was sind die Risiken für Sie?

So gut sich die Angelegenheit auch anhört, so groß sind auch die Risiken. Denn an den Aktienmärkten geht es meistens schneller bergab als bergauf. In Zeiten fallender Aktienkurse (wie an der Technologiebörse Nasdaq seit März/April 2000) kehrt sich die Hebelwirkung des Wertpapierkredits ins Negative um.

Beispiel:

Sie nehmen bei einem Depotvolumen von 100.000 EUR noch einen Kredit von 100.000 EUR in Anspruch und kaufen damit Aktien. Wenn die damit gekauften Aktien um 50% korrigieren, so bleiben Ihnen nur noch 100.000 EUR übrig. Diese müssen Sie zur Kredittilgung verwenden (Zinszahlungen nicht eingerechnet). Eine 50%ige Korrektur hätte demnach eine 100%ige Vernichtung Ihres Vermögens zur Folge.

Unter Aktionären gibt es zudem einen weitverbreiteten Trugschluss:

“Wenn der DAX langfristig durchschnittlich um 12% wächst und sich die Wertpapierkreditzinsen auf 5 bis 6 Prozent belaufen, dann kann man doch durch die Aufnahme eines Kredits langfristig nichts falsch machen”, so ein Aktionär.

Wo genau liegt der Denkfehler?

Er liegt darin begründet, dass langfristige Entwicklungen an den Aktienmärkten nichts, aber wirklich gar nichts über die Volatilität, also die kurzfristigen Kursschwankungen der Aktien aussagen. So können Ihre im Depot befindlichen Aktien teilweise mit 50% im Minus liegen, bevor sie sich innerhalb von 1 bis 2 Monaten verdoppeln oder verdreifachen. Bis dahin können Sie als Anleger Ihre Nerven verloren und mit großen Verlusten verkauft haben. Um mit den Worten von André Kostolany zu sprechen: Ein Wertpapierkredit macht aus einem Anleger einen Zittrigen - und an der Börse verdienen bekanntlich die Hartgesottenen immer auf Kosten der Zittrigen.

Was sind die Risiken für den Gesamtmarkt?

Die Banken wollen ihr Kreditrisiko minimieren. Wenn ein beliehenes Depot stark an Wert verliert, verlangt die Bank zusätzliche Sicherheiten, damit die ursprüngliche Relation zwischen Kreditsumme und Depotvolumen wieder hergestellt wird. Wenn der Depotinhaber solche Sicherheiten nicht (schnell genug) herbeischaffen kann, kommt es leicht zum Zwangsverkauf des Depots, auch Zwangsliquidation genannt. Ausgerechnet zum ungünstigsten Zeitpunkt, völlig unabhängig von den langfristigen Chancen der einzelnen Aktien, werden diese auf den Markt geworfen.

Solche Zwangsliquidationen haben einen Effekt auf den Gesamtmarkt, da bei allgemein fallenden Aktienkursen eine größere Anzahl von Depots aufgelöst wird. Je mehr Marktteilnehmer ihre Aktienkäufe mit Hilfe eines Kredits finanzieren, desto höher sind die Risken für den Gesamtmarkt.

Es kann zu einer Abwärtsspirale kommen, die nicht einfach zu durchbrechen ist. Die großen Crashs des Jahrhunderts (des Jahres 1929 und 1987) sind durch Zwangsliquidationen von Anlegerdepots in großem Maße verstärkt worden. Die Gier (Spekulation auf Kredit) schlägt dann sehr schnell in Panik um.

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