Die Liebe in der postmodernen Literatur
Während die Werbung immer kitschigere und romantischere Klischees über das Liebesleben bemüht, postulieren poststrukturalistische Philosophen das Ende des Subjekts und tragen damit auch die Liebe zu Grabe. Und auch die postmoderne Kunst und Literatur kritisiert die soziale Kälte in der heutigen Welt – allen voran Bret Easton Ellis und Michel Houellebecq.Dunkel, düster und verwegen schildert der Kalifornier Bret Easton Ellis in American Psycho meist aus homodiegetischer Perspektive das bemerkenswerte Yuppie-Leben des Wallstreet-Snobs Patrick Bateman. Dessen Leben besteht aus teurer Kleidung, Kosmetik, Mainstream-Pop, dem Ausleihen von Videos, Tischreservierungen in den angesagtesten Restaurants – und dem Foltern und Quälen und Töten von “Hardbodies”. Seitenlang wird das Dahinschlachten der Frauen geschildert, so drastisch und akribisch, dass die deutsche Übersetzung von 1995 bis 2001 auf dem Index der jugendgefährdenden Schriften stand. Der Witz des Textes besteht darin, dass Bateman keine Sorgfalt bei der Vertuschung seiner Verbrechen walten lässt: Seine blutverschmierte Kleidung gibt er bei der Reinigung ab, einem Anwalt gesteht er die Morde. Doch keiner glaubt ihm, dem gut aussehenden, erfolgreichen und anerkannten Broker. Für einen wie ihn gibt es keinen Ausweg.Als das Werk 1991 erschien, schlug es in der literarischen Welt ein wie eine Bombe und machte den homosexuellen Ellis zum weltweiten Kultautor der Generation X. Das Buch wurde 2000 kommerziell erfolgreich verfilmt, wobei die Verfilmung künstlerisch in keiner einzigen Sequenz die Klasse der literarischen Vorlage zu erreichen vermag.Ein anderes Kultbuch der postmodernen Lebensweise ist Elementarteilchen (1998) des umstrittenen französischen Autors Michel Houellebecq. Künstlerisch weit weniger ergiebig als American Psycho, schildert das Werk das Leben der beiden Brüder Michel und Bruno. Ersterer ist anerkannter Molekularbiologe mit großer Reputation, letzterer ist Lehrer und Dauermasturbator. Beide leiden unter der Egozentrik und Sexsucht ihrer Mutter. Bruno landet in einer geschlossenen Nervenheilsanstalt, als sich die Frau, die sich wirklich in ihn verliebt, das Leben nimmt, und Michel verliert den Bezug zur Realität und forscht an der Schaffung eines neuen Menschen.Houellebecq startet wie zuvor in Ausweitung der Kampfzone (1994) einen Generalangriff auf die Folgen der Moderne in der Postmoderne, stilistisch nicht sehr anspruchsvoll und intellektuell der umfangreichen Thematik nicht immer gewachsen. Die deutsche Verfilmung des Stoffs (2006) ist ebenso mittelmäßig, jedoch aus anderen Gründen als das Buch.
Einmal mehr liegt die gesellschaftliche Realität zwischen dem Liebeskitsch der Medien und den Vereinzelungstheorien der Postmoderne. Seriöse Online-Partnervermittlungen haben sich längst auf die neuen Anforderungen eingestellt, die der postmoderne Single an sie stellt. Wissenschaftliche Matching-Systeme sind effektiv, ohne dass die Romantik auf der Strecke bleibt.
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