Wirtschaft

Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert)

Auf lange Sicht rächen sich teure Akquisitionen. Im Zentrum der Kritik steht der Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert). Er resultiert aus einem Firmenkauf oder einer Fusion. Als Restposten stellt die Differenz - praktisch ein Aufgeld - zwischen Kaufpreis und Reinvermögen (Aktiva abzüglich Schulden) der erworbenen Firma dar. Seine bilanzielle Behandlung richtet sich danach, ob der Käufer internationale, deutsche oder US-Bilanzierungsvorschriften beachten muss.

Das Musterbeispiel ist auch nach Jahren immer noch die Deutsche Telekom mit einem Goodwill von 38,6 Mrd. Euro per 30. Juni 2002. Ursache war der überteuerte Kauf von Voicestream/Powertel in den USA.

Nach International Accounting Standard wird der Goodwill über 20 Jahre abgeschrieben. Ein längerer beziehungsweise kürzerer Zeitraum ist zu begründen. Im Regelfall gilt dies auch nach deutschem Recht. Problematisch ist die lange Abschreibungsdauer bei Übernahmen, die während des Börsenhypes zum Jahrtausendwechsel stattgefunden haben.

Denn in der Hysterie wurden, wie im Fall Voicestream, zu hohe Preise für Firmenkäufe bezahlt. Die gleiche Akquisition würde heute nur einen Bruchteil des damals bezahlten Preises erzielen. Zweifelhaft ist, ob eine kontinuierliche Abschreibung die wahren Wertverhältnisse widerspiegelt.

Um die Firmen von regelmäßigen Abschreibungen zu befreien, wurde die Bilanzierung des Geschäftswerts nach US-GAAP geändert. Eine kontinuierliche Wertminderung entfällt. Im Gegenzug für diese Entscheidung wurde der sogenannte Impairtment-Test eingeführt. Er sieht nun einmal im Jahr eine Prüfung der Werthaltigkeit des Goodwills durch den Wirtschaftsprüfer vor.

Die prominenteste Berichtigung des Goodwills erfolgte Ende Februar 2006, als der britische Mobilfunkbetreiber Vodafone bekanntgab, in dem am 31. März abgeschlossenen Geschäftsjahr Sonderabschreibungen in Höhe von 23 bis 28 Mrd Pfund auf Beteiligungen in Japan, Italien und vor allem Deutschland vorzunehmen. Dabei entfiel der Löwenanteil auf die Mobilfunktochter Mannesmann, die von Vodafone im Jahre 2000 für 170 Mrd. Euro übernommen wurde. Nach dem offiziellen Statement des Unternehmens erfolgte die Übernahme zu einem Zeitpunkt, als die Aktienpreise im Telekommunikationssektor noch sehr viel höher lagen, als dies heute der Fall ist.

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